Digital becomes human

Etymologisch war das ein bescheidener Anfang für ein Wort, das im letzten Jahrzehnt eine fundamentale soziale und ökonomische Veränderung unserer Spezies beschreibt. Und dieser Veränderung steht der überwiegende Teil der Menschheit eher beobachtend gegenüber – in einer Mischung aus Staunen, Verwirrung, Neugier und Angst.

Digitalisierung – quo vadis?

Wir warten gespannt. Noch scheint es längst nicht ausgemacht, wohin uns der Weg dieser Digitalisierung führt. So überbieten sich Visionäre, Propheten, Politiker, Berater und nicht selten selbsternannte Experten wahlweise in Warnungen oder Werbung, in Diskreditierung, Regulierung oder Euphorie vor, für oder gegen diese Digitalisierung. Nun, es ist nicht ungewöhnlich, dass tiefgreifende Veränderungen viel kommunikatives Rauschen, Wortschöpfungen und sprachliche Verwirrung erzeugen. Doch das schon im Wort selbst der Denkfehler angelegt ist, das ist eine Singularität. Denn mit dem, was wir mit Digitalisierung meinen, ist vieles verbunden, gewiss aber kein Prozess der Veränderung vom Analogen zum Digitalen. Die Veränderung vollzieht sich nicht, sie ist längst geschehen. Neben die analoge ist eine völlig neue Welt getreten – und einige Pioniere haben sich gerade aufgemacht, diese zu gestalten.

Gestaltung der Digitalisierung gefragt

Die digitale Welt ist neu und neuartig. Es ist unmöglich, Werke, Werte oder Dinge aus dem analogen in diese digitale Welt zu bringen. Wir können physisch wie metaphysisch nur digitale Abbilder dessen schaffen, was wir aus der analogen Welt in unserem kollektiven Gedächtnis gespeichert und als (warum auch immer) reproduzierenswert in dieser neuen Welt erkannt haben. Momentan sind das zur Hälfte stilisierte Fortpflanzungsrituale (Porno) und in der Interaktion zu 95 % Müll (Spam). Der Rest ist Handel. Das alles verstört uns.
Erst vor ein paar Jahren nahmen wir zum ersten Mal ein Handy in die Hand, nun finden wir uns nun in einer zunehmend digitalisierten Welt wieder
Dieses Phänomen haben die meisten von uns schon einmal erlebt: Als Kind, Jugendlicher oder Erwachsener stiegen wir zum ersten Mal in ein Flugzeug, um zu verreisen. Wenig später verließen wir es an einem Ort, der mit unserer gewohnten Umwelt nicht gerade vieles gemeinsam hatte. Alles fremd, alles anders. Nicht selten litten Körper, Geist und Seele gleichermaßen an umfassende Reizüberflutung: Das Klima empfanden wir als ungewohnt und belastend, die Unterkunft und Verpflegung wahlweise als exotisch oder fremdartig. Die heimischen Akteure im Reiseland sprachen meist nur Sprachen, die wir mühsam oder gar nicht verstanden. Dies war auch vollkommen in Ordnung – und zwar bis zu der Situation, in der wir plötzlich des Verstanden-Werdens dringend bedurften… In der digitalen Welt erleben wir nun dasselbe. Erst vor ein paar Jahren nahmen wir zum ersten Mal ein Handy in die Hand, nun finden wir uns in einer zunehmend digitalisierten Welt wieder. In dieser beherrschen technisch basierte, nicht selten unsichtbare (virtuelle) Vorgänge unser soziales, ökonomisches und geistiges Leben. Reizüberflutung macht sich auch hier nicht selten breit. Und während wir beim Wischen über den „Aus“-Knopf unseres Smartphones der Illusion verfallen, wir hätten unsere vermeintlichen Ausflüge ins Digitale noch unter Kontrolle, wächst das digitale Abbild unseres analogen Selbst mit jeder Sekunde unseres Daseins. Denn diejenigen, die uns beschäftigen, verwalten, administrieren, bewerben, überwachen oder einfach nur kennenlernen, möchten unsere Spuren, die wir tausendfach hinterlassen haben, zu einem neuen Bild von uns zusammenfügen – eingeklemmt zwischen Online-Handel, Spam und Porno.

Analoge Errungenschaften. Digitale Abbilder.

Wir können dies nun mit aller Vehemenz feiern oder beklagen. Wir können uns – ein sinnloses Unterfangen – zu wehren versuchen oder – genauso sinnlos – den Versuch unternehmen, die Kontrolle wieder zu erlangen (wer dem Glauben menschlicher Dominanz an dieser Stelle anhängt, möge doch einmal versuchen, das Internet auszuschalten). Oder wir können versuchen, die analogen Errungenschaften unserer Spezies auch im Digitalen abzubilden. Dazu gehören Humanität, Toleranz, Solidarität, Verantwortungsgefühl – und die unendlichen Qualitäten guter und gelungener zwischenmenschlicher Begegnung und Kommunikation. Sie alle gemeinsam könnten die digitale Welt zu einer würdigen und würdevollen Weiterentwicklung des Gelernten und Erfahrenen machen.
Dr. Gratzel - CEO Psyware GmbH

Dr. Gratzel – CEO Psyware GmbH

  Dann räumen wir Porno etwas beiseite, vernichten (abgasfrei) den Datenmüll und richten uns ein. Es könnte gut werden. Digital könnte plötzlich menschlich klingen – und menschlich sein. Es könnte uns neue Wege und Tiefen der Begegnung, neue gesellschaftliche Spielregeln, neue Lebens-, Arbeits- und Kommunikationsformen und neue Bilder unserer Selbst ermöglichen. Undenkbar? Nein. Es liegt bei uns.

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